Ingar KnudtsenClownerien
Alex, mein einstmals so guter Freund Alex Hirst, streifte mich mit einem raschen, forschenden Seitenblick.
"Weshalb hast du vorhin nicht gelacht", sagte er. "Über die Clowns, meine ich. Alle sollen doch lachen ... nicht wahr?"
"Ich will dir ein Geheimnis anvertrauen, Alex", sagte ich. "Du kennst mich nicht mehr. Und ich kenn' dich nicht. Ich bin mit hier hergekommen, weil ich weiß, ich werde ausspioniert. Aus keinem andern Grund."
Alex sah mich entsetzt an und schaute sich dann verstohlen um. "Pst, du Narr. Willst du uns beide so weit bringen, daß wir auf der Bühne enden?"
"Immer mit der Ruhe. Ich bin doch unter Aufsicht des Freudenministeriums, nicht du. Aber die könnten mich zu vielem zwingen, nur nicht zum Lachen. Ich will dir etwas sagen, Alex" - ich sah zwei Clowns in großkarierten, auffälligen Anzügen die Köpfe heben und in Richtung unseres Tisches blicken und senkte automatisch die Stimme -, "alles, was ihre >Neuordnung< in mir erzeugt, ist Übelkeit."
Alex kam nicht dazu, mir zu antworten, denn der Vorhang ging wieder auf, und ein neuer Auftritt begann. Das Publikum fing an zu lachen. Eine öffentliche Hinrichtung war im Gange. Ein großer, dicker Mann und ein schmächtiger junger Bursche, beide in alberne, knallrote lange Unterhosen gekleidet, hingen jeder an seinem Ende eines langen Stricks, der Dicke unter den Armen, der Dünne mit dem Hals. Wenn der Dicke sich reckte und mit erhobenen Armen auf Zehen stand, erreichte der andere mit den Zehen gerade den Fußboden. Deutlich bestand zwischen den beiden irgendeine gefühlsmäßige Bindung, denn der Dicke reckte sich und machte kleine Hopser" damit der andere nicht erstickte. Aber gerade dadurch, daß er solche verzweifelten Luftsprünge machte, rutschte ihm die Unterhose herunter, und das Lachen dröhnte durch den Saal. Die Leute lagen gekrümmt über den Tischen, hielten sich den Bauch und lachten. Der Dicke haschte verzweifelt nach seiner Unterhose, das Resultat war, daß er ausglitt und fiel. Ein halberstickter Schrei des jungen Mannes wurde direkt abgeschnitten. Der Fall des andern hatte ihm das Genick gebrochen. Der Applaus wollte nicht enden.
Mit Abscheu sah ich Alex an, der zusammen mit den andern applaudierte und herzlich lachte ... oder gab es vielleicht dennoch auch in seinen Augen einen kleinen Schimmer von unterdrücktem Entsetzen?
Mir war trist und kalt ums Herz, und ich sah, daß die beiden Sicherheitsclowns aufgestanden waren und mit lustigen kleinen Sprüngen auf unseren Tisch, direkt auf mich, zukamen.
"Wollen Sie uns bitte folgen, mein Herr", sagte der eine Clown freundlich und nahm mich beim Arm.
"Wir sehen nämlich, daß Sie sich hier nicht amüsieren", fügte der andere hinzu und lüftete seinen Filzhut, an dem eine große Plastblume steckte. "Und das sollte man doch tun, nicht wahr?" "Keine, gar keine sauren Mienen mehr", jodelte der erste und hob mit scherzhaftem Vorwurf den Zeigefinger gegen mein Gesicht.
Ich erhob mich und sah sie ernst an. "Ich bin bereit", sagte ich.
Übersetzt von Irma und Heinz Entner